Predigt vom Ostersonntag

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Tulpe (c) Bild von Free-Photos auf Pixabay
Mo 20. Apr 2020
Dorothee Jöris-Simon

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
Liebe Freundinnen und Freunde der Osterhoffnung!

In diesen Tagen der Einschränkungen ist es für viele ein Geschenk einen kleineren oder größeren Garten zu haben, einen Balkon, um den Frühling, das Leben zu genießen. Und viele Menschen hier im Aachener Westen sind mit diesem Geschenk bedacht. Und diejenigen, die diese kleinen Freiheiten nicht haben, gehen in die öffentlichen Parks oder in den Aachener Wald.

Gärten sind Lebensräume! Lebensräume für Menschen, für Pflanzen und Tiere.

Grab (c) pixabay.com

In der Bibel finden wir viele Gartengeschichten.
Pfarrer Mauritz hat uns gerade eine wundervolle Gartengeschichte aus dem Johannes
Evangelium vorgelesen, eine Geschichte mit viel Bewegung, eine Geschichte die mich bewegt, die uns in der Kirche bewegt, die in der Kirche noch mehr bewegen müsste/könnte…

Schauen wir gemeinsam auf diese Gartengeschichte.

Maria sucht die Nähe ihres Liebsten, möchte so früh wie möglich zum Grab, ihm so nah wie
möglich sein. Dann steht sie vor dem Grab und - das Grab ist geöffnet.
Wo ist der Leichnam? Panik steigt in ihr auf – schnell läuft sie zu Simon Petrus und Johannes – und die laufen mit ihr zum Grab zurück.
Johannes, der Lieblingsjünger Jesu ist schneller am Grab, lugt nur vorsichtig hinein. Petrus
kommt, ist mutig und handelt: Er geht hinein und sieht die Leichentücher ordentlich
zusammengelegt auf einem Stein liegen. Dann traut sich auch Johannes, sieht und glaubt – so ist es uns überliefert.
Danach gehen beide nach Hause – ohne mit Maria und den anderen Frauen in Kontakt zu treten. 

Kreisen sie zu sehr um sich, sind sie in Trauer und Fragen erstarrt, haben sie die Frauen nicht im Blick?

Maria weint immer noch, weint sich ihre Trauer von der Seele. Tränen sind das einzige was ihr geblieben ist .
Irgendwann hebt sie den Kopf – traut sich, den Blick zu heben, die Umgebung  wahrzunehmen, beugt sich in die Grabkammer hinein, so als wolle sie sich vergewissern ob Jesus wirklich nicht mehr daliegt, wo sie ihn hingelegt haben!
Da hat sie eine Erscheinung: zwei Engel begegnen ihr, Engel als Boten, Vorbotinnen Gottes – sie treten mit Maria in Dialog - öffnen ihre Seele – so dass sie endlich sagen kann, was sie bedrückt:

  1. Man hat meinen Herrn weggenommen
  2. Und ich weiß nicht, wo man ihn hingelegt hat.

Trauern – ohne zu wissen wo der Leichnam ist, ohne einen Ort zu haben, ist für Angehörige
ungeheuerlich, da gibt es sprichwörtlich nichts zu „begreifen“.
Gerade geht es vielen Angehörigen der Corona- Opfer so. Sie können nicht Abschied nehmen – und den Abschied nicht mit anderen teilen. Wie schwer ist das auszuhalten?
Durch den kleinen Dialog mit den Engeln kommt Maria in Bewegung, sie kann sich umwenden – und dabei fällt ihr Blick auf eine Person – den Gärtner, wie sie meint. Das liegt auch nahe, wer sonst arbeitet morgens früh in einem Garten, wenn die Kühle des Tages die körperliche Arbeit noch zulässt?
Der Gärtner stellt die gleiche Frage wie die Engel: Warum weinst DU?
Und: Wen suchst Du?
Maria antwortet genau wie vorher, stereotyp, trauerstarr, ihr fehlen die Worte…
Dann folgt ein Wort, dass die Wende bringt, mich selbst immer wieder ganz tief berührt und bewegt, dass Maria aufhorchen, aufatmen, aufleben lässt: „Mariam“.

Frühling (c) www.pixabay.com

Mariam – Maria – erkennt und antwortet - : Rabbuni, mein Meister.
Wie gerne wäre ich an diesem Morgen in diesem Garten Zeugin des Geschehens gewesen, hätte zusehen, vor allem zuhören können mit welcher Liebe, Zärtlichkeit und Behutsamkeit dieser Dialog sich entspann, der Trauer in Leben, Resignation in Aufbruch und Auftrag wendete.

Ich glaube der Evangelist hat uns einige Sequenzen dieser Begegnung am Ostermorgen
verschwiegen – vielleicht war dieser Moment viel zu intim, als dass er zu beschreiben wäre.
Für mich unvermittelt, sagt Jesus zu Maria: „Halte mich nicht fest.“
Das Glück ist für Maria nicht zu fassen. Ihr Geliebter ist wieder da, steht vor ihr, sieht sie an,
spricht mir ihr und sie darf ihn - wörtlich – nicht berühren.
Ich wünsche euch und Ihnen, dass wir alle diese Erfahrungen schon mal in unserem Leben
machen durften: das wir Glück, unbändige Freude festhalten wollen –. Dann machen wir Fotos, Videos, Selfies und wenn wir sie später anschauen ( v.a. mit anderen gemeinsam), ist die Erinnerung da, doch das Lebendige, Spontane, Ursprüngliche fehlt.
Das Glück ist für Maria nicht zu fassen – und das, was folgt - noch viel weniger:
Maria soll/ kann Jesus nicht halten. Sie soll jetzt in Bewegung kommen, sie soll sich auf den Weg machen, um die Botschaft zu „verkünden“. Damit bricht etwas Neues, noch nie dagewesenes an.

Maria kann nicht festhalten an Gewohntem, Erlebtem, Ausprobiertem. Traditionellem. Die
Botschaft und die Aufgabe ist neu: Geh zu meinen Brüdern und sage: Ich habe den Herrn
gesehen.

In diesem Garten geschieht an diesem Morgen Aufbruch in eine neue Zukunft.
Dieser Garten ist der Ort, an dem Jesus eine Frau ermächtigt, seinen Brüdern die Frohe Botschaft zu verkünden!

Tulpen (c) Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Mir stellt sich die Frage, wo wir heute in unserer Kirche solche Gärten finden, Orte haben, an denen Frauen ermächtigt werden, ihren Gaben entsprechend zu verkünden, zu
handeln, zu führen?
Mir fallen die Vatikanischen Gärten ein – um dort hinein zu gelangen muss frau – und auch man – Eintritt zahlen.

Der Garten am Aachener Dom ist eingezäunt und bietet keine Erlaubnis sich dort aufzuhalten, weder für Frauen – noch für Männer.
Wie gestalten wir die Gartenräume in unserer Pfarrei, hier in St. Jakob, Hl. Geist, Maria im Tann und St. Hubertus? Finden wir hier Orte der Begegnung, des Austauschs, der Hoffnung, des Neubeginns und Wagnis – leben und gestalten wir hier gemeinsam Kirche aus der Erinnerung an den Garten der Erlösung und des Aufbruchs am Ostermorgen?
Erlauben Sie mir zum Schluss die Frage, wie Sie und ihr im eigenen Garten den Lebensraum für Euch gestaltet?
Darf in ihrem Garten, auf Ihrem Balkon gelacht und geweint werden, können Begabungen, Fähigkeiten und Neigungen sich entfalten und entwickeln, darf Neues, Ungewohntes ausprobiert und gelebt werden? Wie und wo geschieht dort Aufbruch?

Balkonblumen (c) Bild von smellypumpy auf Pixabay

Malt uns davon Bilder, schreiben Sie eine Geschichte, schicken Sie uns ein Foto mit Kommentaren von Ihren und Euren Ostermomenten in Ihrem Garten, auf Eurem Balkon, in Eurem Umfeld, in Ihrem Alltag – und sendet sie an das Pfarrbüro der Pfarrei St. Jakob. Wir werden die Werke in geeigneter Weise veröffentlichen – auf der Homepage – in den Schaukästen...

Ostern ist in diesem Jahr anders – Ostern ist immer anders - täglich anders – Ostern dauert an. Trauen wir uns zu – wie Maria - die Zukunft in unserer Kirche und Gesellschaft, in unseren
Familien und Lebensgemeinschaften, in unseren Lebensgärten immer wieder neu zu gestalten, aufzubrechen, zu verkünden, uns zu bewegen, umzuwenden, miteinander in und durch schwierige Zeiten hindurch.

So wünsche ich Ihnen und Euch Frohe Ostern. Euch und Ihnen allen hier in der Gemeinde und wo immer Sie und Ihr jetzt zugehört und zugeschaut habt.

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Mo 20. Apr 2020
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